Ich habe gelernt, dass weniger mich freier macht und gesünder.
In einer Welt, die nie stillsteht, braucht es Mut, langsamer zu werden. Hierbei hilft mir der skandinavische Lebensstil, den ich so sehr in mein Herz geschlossen habe, denn in ihr liegt ein tiefer Wert: Einfachheit.
Wenn ich meinen Garten im November betrachte, sehe ich keine Leere – ich sehe Klarheit. Die Beete liegen still, das Laub ist gefallen und nur das Nötigste bleibt stehen. Kein Überfluss, keine Eile, kein Zuviel. Diese Zeit erinnert mich daran, dass Weniger nicht Mangel bedeutet, sondern Freiheit. So wie die Natur im Herbst Ballast abwirft, dürfen auch wir loslassen: Dinge, Erwartungen, Aufgaben, die uns nicht mehr nähren.
Die Kraft des Loslassens – Lektionen aus dem Garten
Unser Garten ist ein ehrlicher Lehrer. Er hält uns keine Motivationssprüche vor, sondern zeigt schlicht: Alles hat seine Zeit. Alles braucht Raum, um sich zu erneuern. Wenn ich die verblühten Stauden zurückschneide oder Laub zusammenreche, dann spüre ich, dass dieses Tun kein Verlust ist, sondern Vorbereitung auf das nächste Jahr. Ich schaffe Platz für Neues.
„Es ist nicht der Verzicht, der uns reich macht,
sondern die Wertschätzung.“
– Autor unbekannt
Wir leben in einer Zeit, die vom „Mehr“ bestimmt ist: mehr Arbeit, mehr Konsum, mehr Ablenkung. Selten fragen wir uns jedoch: „Brauche ich das wirklich?“
Schwedisches Design, Wohnkultur und Lebensweise folgen einer Haltung: Weniger Dinge, mehr Raum. Weniger Lärm, mehr Tiefe. Weniger müssen, mehr dürfen. Typisch Lagom eben – das rechte Maß genügt. Gleichzeitig ist es dieses Gleichgewicht, dass Frieden schafft.
Vielleicht bedeutet das für dich:
- weniger Termine, mehr Zeit für Stille
- weniger Dekoration, mehr Natur im und rund ums Haus
- weniger Müssen, mehr Sein
Und ganz sicher: weniger Druck, perfekt zu sein.
Einfachheit im Garten – Lehre der Natur
Als wir unser Grundstück bezogen haben, hatte ich unglaublich viele Pläne für den Garten: hier was hin und dort umgestalten, dort ein Beet. Schwedische Gärten leben oft davon ungeplant zu wachsen, keine sauber abgestochenen Beete. Viel Raum für Wildnis.
Nach einem Jahr in unserem Haus und Garten verabschiede ich mich bewusst von zu viel. Wir haben einen geerbten Nutzgarten mit vielen Obstbäumen, einer Anbaufläche für Gemüse, dazwischen Wildwiese und nur bewusst gesetzte Sträucher und Stauden. Nur den Vorgarten haben wir komplett neu gestaltet mit unterschiedlichen Stauden und Gräsern, Struktur und Nahrungsquelle für Bienen und Insekten. Unser Garten ist auf dem ersten Blick vielleicht reduziert gestaltet, aber auf keinem Fall karg. Er ist ein Garten, der atmet. Weniger Pflegeaufwand bedeutet mehr Zeit, ihn zu genießen.
Unsere nächsten Gartenpläne lehnen sich genau daran an: natürlich eingefügt, keine Perfektion, kein ständiges säubern müssen, sondern der Natur überlassen.
Weniger Lärm, mehr Leben
An dieser Stelle gerate ich ab und an in einen Generationskonflikt: Es muss doch aber! – Ähm, Nö. Es muss gar nicht. Es war nie mein Ziel, dass ich permanent überall für Ordnung sorgen muss. Mein Mann und ich wollen die Natur unterstützen, der Bienen- und Insektenwelt etwas zurückgeben. Und je mehr wir als Menschen eingreifen, um so mehr zerstören wir das natürliche Gleichgewicht. Weniger bedeutet daher nicht Entzug, es bedeutet Fokus auf das Wesentliche, das bleibt: die Kälte am Morgen, der Geruch von Erde, der Klang des Windes. Das sind die Dinge, die uns nähren, auch wenn sie nichts kosten. Sie erinnern uns daran, dass Glück nicht im Besitz liegt, sondern in der Wahrnehmung.
Dein Garten darf atmen – und du mit ihm
Wenn wir der Natur folgen, sehen wir: Sie kennt kein „Zuviel“. Alles geschieht mit Maß und Sinn. Vielleicht dürfen wir von ihr lernen, dass ein einfaches Leben kein Verzicht ist, sondern eine Rückkehr zu uns selbst.
Im November lade ich dich ein, die Ruhe zu spüren, die entsteht, wenn du loslässt. Nicht als Aufgabe, sondern als Erleichterung.
Frage an dich: Was darf leichter werden in deinem Leben, in deinem Garten, in deinem Herzen?
