Ein Novembermoment in Uppsala – Begegnung mit Stillhet und Sprache
Uppsala 2013, November. Kühle Luft über dem Fyrisån, Lichter in den Fenstern, gedämpftes Stimmengewirr in den Cafés. Ich erinnere mich an die Nachmittage, an denen ich durch die Stadt ging – jeden Winkel entdeckend, ohne zu wissen wo mich meine nächsten Schritte hinbringen. In einer kleinen Buchhandlung in einer Seitenstraße, fern des Trubels, blieb ich stehen. Links der Tresen aus braunem Massivholz, rechts kleine Tische mit neuen Exemplaren, jede Wand mit Regalen voll mit Büchern, Zeitschriften, Karten, Papier. Ich wollte sehen, welche Bücher mich finden würden. Es sollte auf jeden Fall ein schwedisches Buch sein, schließlich war ich hier, um meine Kenntnisse noch stärker zu vertiefen. Die Begegnung in der Buchhandlung Ich sprach Schwedisch, so oft ich konnte. Nicht weil ich musste, sondern weil ich wollte. Ich wollte diese Sprache bis in die Tiefe verstehen, sie fühlen und leben. Der Buchhändler und ich kamen ins Gespräch und er sah überrascht auf, als ich nach Jan Guillous „Arn Magnusson – Saga“ fragte. Ich erzählte ihm, dass ich sie schon auf Deutsch gelesen habe und mit meiner Familie 2003 bereits die Stätte in Forsvik und Gudhem besuchte. Er strahlte übers ganze Gesicht und führte mich zu einem der Regale. Dort stand sie: die vollständige Box, handsigniert vom Autor. Er strahlte, ich strahlte und ich spürte, dass er sich freute, dass jemand aus einem anderen Land die schwedische Literatur wirklich liebte. Er gab mir einen Rabatt, fast verlegen und dieser Moment war wie ein stilles Geschenk. Was dieser Moment mir gezeigt hat:Ich habe an diesem Tag etwas verstanden, das man in keinem Lehrbuch findet: Sprache ist Verbindung. In diesem kleinen Buchladen, im warmen Licht zwischen Regalen, lag die Essenz der Stillhet – diese stille Wärme, die entsteht, wenn man sich wirklich begegnet. Ich habe ähnliche Momente nach meiner Zeit in Uppsala auch in anderen Städten Schwedens erlebt. Und ich bin noch heute glücklich darüber, 2009 die Entscheidung getroffen zu haben, in diese wundervolle Sprache einzutauchen. Stillhet – mehr als Ruhe Stillhet bedeutet nicht nur, dass es leise ist. Es ist ein Zustand innerer Präsenz, in dem man nichts beweisen muss. Vielleicht deshalb berührt mich dieser Moment bis heute, weil er so ehrlich war, so ruhig, so „genug“ – lagom. Es braucht keine großen Geschichten, um sich zu erinnern. Manchmal genügt ein Buch, ein Gespräch und der leise Gedanke: Ich bin genau da, wo ich sein soll.
